Es ist wieder so weit: Wenn der Bodensee zur Kulisse für glänzendes Latex, enges Leder und fantasievolle Masken wird, weiß man in Friedrichshafen, dass das „Torture Ship“ abgelegt hat. Was einst als Nischenevent begann, hat sich längst zu einem international bekannten Spektakel entwickelt, das weit über die Grenzen der Region hinausstrahlt.
Ein Magnet für die internationale Szene
Besonders beeindruckend ist in diesem Jahr die internationale Reichweite des Events. Das „Erotikschiff“ ist längst kein Geheimtipp mehr für lokale Fans der BDSM- und Fetisch-Szene. Die Besucher nehmen mittlerweile beachtliche Reisen auf sich: Gäste aus Slowenien, Polen und anderen europäischen Nachbarländern reisen eigens an, um bei der legendären Fahrt dabei zu sein. Für viele ist es das Highlight des Jahres, bei dem sie ihre aufwendigen Outfits – von der klassischen Domina im Lack-Dress bis hin zu kunstvollen Pony-Masken – einem Gleichgesinnten-Publikum präsentieren können.
Catwalk am Hafen: Staunen bei den „Sehleuten“
Bevor die Motoren starten, gehört der Hafen von Friedrichshafen traditionell den Schaulustigen. Tausende Zuschauer versammeln sich am Pier, um das „Schaulaufen“ der Passagiere zu beobachten. Die Stimmung ist eine Mischung aus Fasching und exklusivem Maskenball. Während die einen aus dem Staunen kaum herauskommen, genießen die Fetisch-Fans die Aufmerksamkeit und posieren bereitwillig für Fotos. Veranstalter Thomas Siegmund beschreibt das Event treffend: Für Außenstehende mag es wie ein bizarrer Maskenball wirken, doch für die Community ist es ein Raum der Freiheit und des gegenseitigen Respekts.
Was passiert an Bord?
Sobald die MS Baden (oder eines der anderen eingesetzten Schiffe) ablegt, bleibt das Geschehen weitgehend den Blicken der Öffentlichkeit entzogen. An Bord erwartet die Gäste ein Mix aus:
- DJs und Party-Decks: Tanzen in außergewöhnlicher Montur.
- Shopping & Aussteller: Stände für BDSM-Bedarf und Accessoires.
- Shows: Von Peitschenvorführungen bis hin zu ästhetischen Inszenierungen.
Wichtig zu wissen: Auch wenn das Schiff oft als „Erotikschiff“ tituliert wird, steht der Party- und Selbstdarstellungsaspekt im Vordergrund. Aufgrund behördlicher Auflagen gibt es keine speziellen Räume für sexuelle Handlungen – das „Torture Ship“ versteht sich primär als Tanz- und Eventschiff für eine ganz besondere Community.
Fazit
Das „Torture Ship“ bleibt ein Phänomen. Es zeigt, wie tolerant und vielfältig die Bodenseeregion sein kann und dass die Faszination für Lack und Leder keine (Landes-)Grenzen kennt. Ob man nun selbst in den hautengen Anzug schlüpft oder das Spektakel lieber aus sicherer Entfernung vom Ufer beobachtet – kalt lässt dieses Event am See niemanden.
Quelle: Südkurier