Fesseln, Freiheit und die Abgründe Bulgariens: Ein Blick auf „Lust“
Manchmal ist Kino dann am stärksten, wenn es uns dort berührt, wo es wehtut – oder wo die Grenzen zwischen Schmerz und Ekstase verschwimmen. Der neue Film „Lust“ (Regie: Ralitza Petrova), der aktuell für Gesprächsstoff sorgt, führt uns in ein Bulgarien, das weitab von Postkarten-Idyllen liegt.
Worum geht es?
Im Zentrum steht die Kunst des Shibari – der japanischen Bondage-Technik. Doch wer hier bloß einen „Fifty Shades“-Abklatsch erwartet, liegt gründlich falsch. Der Film nutzt die Seile als Metapher für die inneren und äußeren Fesseln einer Gesellschaft.
- Die Handlung: Wir begleiten eine Frau, die sich in die Welt der Fesselspiele begibt, um der emotionalen Taubheit ihres Alltags zu entfliehen.
- Das Setting: Ein düsteres, fast schon klaustrophobisches Bulgarien, das den perfekten Kontrast zur intimen, hochästhetischen Kunst der Seile bildet.
- Das Thema: Es geht um Macht, Hingabe und – wie der Titel des Artikels bereits verrät – die ständige Präsenz des Todes.
Warum man darüber spricht
Der Artikel der Morgenpost macht deutlich: „Lust“ ist kein Wohlfühlkino. Er ist eine visuelle Wucht, die Fragen aufwirft. Wie viel Kontrolle geben wir ab, um uns endlich frei zu fühlen? Und warum liegt in der totalen Beschränkung oft die größte Befreiung?
Petrova inszeniert das Ganze nicht als billigen Voyeurismus, sondern als philosophische Auseinandersetzung mit dem menschlichen Körper und dessen Endlichkeit.
Fazit: Ein Film für alle, die Kino als Grenzerfahrung suchen und keine Angst davor haben, dass die Seile auch nach dem Abspann noch ein wenig nachwirken.
Quelle: Berliner Morgenpost