Heilung durch Fesseln? Warum BDSM zunehmend als Therapieform diskutiert wird
In der Welt der Psychotherapie bahnt sich ein Paradigmenwechsel an: Was früher oft vorschnell als „Störung“ abgestempelt wurde, rückt heute als potenzielles Werkzeug zur Selbstheilung in den Fokus. Ein aktueller Beitrag der WELT beleuchtet die wachsende Debatte um die BDSM-Therapie und stellt die Frage, ob Schmerz und Machtspiele dabei helfen können, Traumata zu bewältigen.
Die Kernpunkte der Debatte:
- Weg von der Pathologisierung: Lange Zeit galt BDSM (Bondage, Disziplin, Dominanz, Submission, Sadismus & Masochismus) laut medizinischen Leitfäden als behandlungsbedürftig. Experten plädieren nun dafür, diese Praktiken als legitimen Ausdruck menschlicher Sexualität und – unter Anleitung – als therapeutisches Mittel zu sehen.
- Kontrollierter Kontrollverlust: Der Reiz liegt oft in der bewussten Übergabe von Verantwortung. In einem sicheren, konsensualen Rahmen können Betroffene lernen, Urvertrauen wieder aufzubauen oder Ohnmachtsgefühle aus der Vergangenheit aktiv umzugestalten.
- Körperliche Erdung: Die intensiven Reize beim BDSM können Menschen helfen, die aufgrund von Traumata von ihren Gefühlen abgeschnitten sind (Dissoziation), ihren Körper wieder bewusst wahrzunehmen.
Konsens als oberstes Gebot
Wichtig bleibt: BDSM ist kein Allheilmittel und erfordert eine klare Trennung zwischen privatem Spiel und professioneller Begleitung. Die Therapieform setzt ein extrem hohes Maß an Kommunikation und Konsens voraus – Aspekte, die auch in herkömmlichen Therapieformen oft mühsam erarbeitet werden müssen.
„BDSM kann ein Labor der Emotionen sein, in dem man lernt, Grenzen zu setzen und Bedürfnisse angstfrei zu kommunizieren.“
Was bedeutet das für die Praxis?
Während die Wissenschaft noch über standardisierte Ansätze streitet, nutzen viele Menschen diese Dynamiken bereits intuitiv zur Selbsterfahrung. Die Akzeptanz in der Gesellschaft wächst, doch der Weg zum klinisch anerkannten Verfahren ist noch weit.
Quelle: Welt