Fesselnde Kunst: Warum Shibari weit mehr ist als nur Seile und Knoten

In Nürnberg rückt eine jahrhundertealte japanische Tradition immer mehr ins Rampenlicht: Shibari. Was für Außenstehende oft nur nach kunstvollen Knoten aussieht, ist für Praktizierende eine tiefgehende Erfahrung zwischen Vertrauen, Ästhetik und völliger Hingabe. Ein aktueller Einblick zeigt, warum diese Form der Fesselung gerade jetzt einen Nerv trifft.

Ästhetik trifft auf Emotion

Shibari ist weit mehr als eine bloße Technik aus dem BDSM-Bereich. Es wird oft als „Kinbaku“ (die Schönheit der engen Fesselung) bezeichnet. Dabei geht es nicht primär um Schmerz oder Macht, sondern um das Zusammenspiel von Linien, Mustern und der menschlichen Silhouette.

Für viele Teilnehmer in der Nürnberger Szene steht das Körpergefühl im Vordergrund. Die Seile erzeugen einen konstanten Druck, der – ähnlich wie bei einer Gewichtsdecke – eine beruhigende Wirkung auf das Nervensystem haben kann.

Warum wir uns fesseln lassen

Der Artikel beleuchtet die psychologische Komponente dieser Praxis. Warum entscheiden sich Menschen dazu, ihre Bewegungsfreiheit abzugeben?

  • Der „Rope High“-Zustand: Durch die intensive Konzentration und den körperlichen Reiz schüttet der Körper Endorphine aus. Man gelangt in einen meditativen Zustand, der oft als „Rope High“ bezeichnet wird.
  • Radikales Vertrauen: Jemanden zu erlauben, den eigenen Körper zu fixieren, erfordert ein Höchstmaß an Kommunikation und Sicherheit.
  • Achtsamkeit im Moment: In einer hektischen Welt zwingt das Seil dazu, ganz im Hier und Jetzt zu sein. Jede Drehung, jeder Knoten wird bewusst wahrgenommen.

Sicherheit an erster Stelle

Trotz der künstlerischen Freiheit ist Shibari ein Handwerk, das gelernt sein will. In den Nürnberger Workshops wird besonderer Wert auf Sicherheit („Risk Aware Consensual Kink“) gelegt. Es geht um Anatomie, das Wissen über Nervenbahnen und die ständige Kommunikation zwischen dem „Rigger“ (der fesselnden Person) und dem „Model“.

Das Wichtigste auf einen Blick:

AspektBedeutung beim Shibari
FokusVerbindung zwischen zwei Menschen & Selbsterfahrung
WirkungStressabbau, Achtsamkeit und intensives Körpergefühl
UrsprungJapanische Kampfkunst (Hojōjutsu), später Weiterentwicklung zur Kunstform

Fazit: Shibari ist eine Einladung, die eigenen Grenzen in einem sicheren Rahmen zu erkunden und die Sprache des Körpers neu zu lernen – ganz ohne Worte, aber mit viel Gefühl.

Quelle: Nürnberger Nachrichten