Manuela Freitag: Die Frau hinter der Peitsche in der Herbertstraße

Die Hamburger Herbertstraße ist legendär, doch kaum jemand kennt die realen Geschichten hinter den blickdichten Toren. Eine Frau prägt dieses Viertel wie kaum eine andere: Manuela Freitag, die dienstälteste Domina auf St. Pauli. Eine neue ZDF-Dokuserie beleuchtet nun ihren harten Weg vom vernachlässigten Heimkind zur autonomen Sexarbeiterin.

Ein Weg geprägt von Rebellion und Härte

Manuelas Geschichte beginnt nicht im Glanz der Reeperbahn, sondern in einer Kindheit voller Abgründe. Ohne leibliche Eltern aufgewachsen, erlebte sie in Heimen und Pflegefamilien Missbrauch und Gewalt.

  • Der frühe Einstieg: Bereits als Minderjährige landete sie auf dem Straßenstrich in Bremen.
  • Die Suche nach Freiheit: Was für viele wie der Abgrund wirkt, war für Manuela ein Mittel zum Zweck – Geld bedeutete für sie Unabhängigkeit und Schutz vor dem Zugriff des Jugendamtes.
  • Der Preis der Freiheit: Nach Jahren unter gewalttätigen Zuhältern kaufte sie sich schließlich für 10.000 Mark selbst frei, um fortan selbstbestimmt zu arbeiten.

Dienstälteste Domina und Zeitzeugin

Seit über 30 Jahren ist Manuela Freitag nun im Geschäft. In der Herbertstraße fand sie eine Art „Ersatzfamilie“ und stieg schließlich zur Domina auf. Für sie ist Sexarbeit heute ein Beruf wie jeder andere, auch wenn sie offen zugibt, dass die Arbeit mit zunehmendem Alter körperlich und mental nicht einfacher wird.

In ihrer Biografie „Herbertstraße. Kein Roman“ und der aktuellen Dokumentation räumt sie mit Mythen auf. Sie spricht über den Wandel des Milieus – von der Goldgräberstimmung der 80er Jahre bis hin zum harten Konkurrenzkampf durch das Internet heute.

Ein Plädoyer für Respekt

Manuela Freitag möchte vor allem eines: Dass die Gesellschaft die Frauen im Milieu als Menschen wahrnimmt. Sie sieht ihre Arbeit auch als sozialen Dienst, da sie Männern einen Raum bietet, Bedürfnisse ohne Rechtfertigung auszuleben. Trotz der harten Realität bleibt sie eine Frau, die sich ihre Autonomie erkämpft hat und stolz auf ihre Unabhängigkeit blickt.

Quelle: Tageblatt