Britisches Parlament plant „Fetisch-Verbot“: Wenn das Schlafzimmer zur digitalen Sperrzone wird

Harte Zeiten für die britische Kink-Szene: Ein neues Gesetzesvorhaben im Vereinigten Königreich sorgt derzeit für Aufsehen. Was unter dem Deckmantel des Jugendschutzes segelt, könnte die Produktion und den Besitz bestimmter Fetisch-Inhalte bald unter Strafe stellen. Vor allem eine Praktik steht dabei im Fadenkreuz der Behörden.

Der Würgegriff des Gesetzes

Das britische Parlament plant eine drastische Verschärfung der Regeln für sexuell explizite Inhalte. Im Fokus steht dabei vor allem das sogenannte „Choking“ (Würgen). Was in vielen BDSM-Kreisen als konsensuales Spiel mit dem Atem gilt, soll künftig aus dem digitalen Raum verbannt werden.

Der Plan sieht vor, die Darstellung von Strangulationen als „Priority Offence“ einzustufen – damit stünde sie rechtlich auf einer Stufe mit terroristischen Inhalten oder dem Missbrauch Minderjähriger.

Die harten Fakten: Was sich ändern soll

  • Verbot von Produktion & Vertrieb: Filme und Bilder, die Würgen oder Strangulation zeigen, dürfen weder produziert noch verbreitet werden.
  • Besitz wird strafbar: Nicht nur Uploader sind betroffen – auch der reine Besitz solcher Inhalte (egal ob digital auf der Festplatte oder physisch als DVD) könnte künftig strafrechtliche Konsequenzen haben.
  • Drastische Strafen: Unternehmen, die solche Inhalte nicht konsequent filtern, drohen Bußgelder von bis zu 20,5 Millionen Euro (oder 10 % ihres weltweiten Umsatzes).
  • KI-Fahndung: Die Polizei plant den Einsatz automatisierter Erkennungssysteme, um das Netz nach Verstößen zu durchkämmen.

Warum der Fokus auf „Choking“?

Die britische Regierung begründet den Schritt mit einer besorgniserregenden Statistik: Würgen beim Sex sei mittlerweile die zweithäufigste Ursache für Schlaganfälle bei jungen Frauen. Die Normalisierung dieser Praktik durch Pornografie führe dazu, dass riskante Handlungen ohne das nötige Wissen über anatomische Gefahren nachgeahmt werden.

Kritik aus der Community: Konsens vs. Kriminalisierung

Während Jugendschützer applaudieren, regt sich in der BDSM- und Queer-Community Widerstand. Kritiker wie die Sexualpädagogin Madita Oeming oder Pornoproduzentin Paulita Pappel warnen vor einer gefährlichen Vermischung:

„Was im BDSM praktiziert wird, ist oft kein Würgen, das die Luftröhre zudrückt, sondern ein ‚Power-Choke‘ zur Machtdemonstration. Das Gesetz fördert Zensur statt dringend benötigter Aufklärung über sichere Praktiken.“

Fazit: Ein digitaler Filter für die Lust?

Großbritannien geht mit diesem Vorstoß einen Weg, der die Grenze zwischen staatlicher Fürsorge und privater Freiheit neu zieht. Für User und Plattformen bedeutet dies: Der Algorithmus entscheidet künftig mit, was im Schlafzimmer (und auf dem Bildschirm) erlaubt ist.

Quelle: Schwulissimo