PEN Berlin Kongress: Debattenkultur jenseits der Extreme
Unter dem Motto „Alles überall gleichzeitig“ versammelte der PEN Berlin am vergangenen Wochenende rund 300 Literaturschaffende und Gäste im Berliner Ensemble. Ziel des Kongresses war es, ein Zeichen gegen die zunehmende Polarisierung im Kulturbetrieb zu setzen und den Dialog auch bei hochkomplexen Themen wie dem Nahostkonflikt oder Identitätspolitik aufrechtzuerhalten.
Die wichtigsten Erkenntnisse des Gipfels:
- Absage an „Cancel Culture“: Die Sprecher des PEN Berlin, Eva Menasse und Deniz Yücel, betonten die Notwendigkeit, Räume für Nuancen zu schaffen. Es ginge darum, weder in einen reflexhaften „Cancel-Modus“ zu verfallen noch den Tabubruch um seiner selbst willen zu feiern.
- Streitbare Themen: In verschiedenen Panels wurden brennende Fragen diskutiert – von der Freiheit der Kunst in Krisenzeiten bis hin zur Rolle der Literatur in einer digitalisierten Aufmerksamkeitsökonomie.
- Ein neuer Standard? Der Kongress versteht sich als Gegenentwurf zu erstarrten Fronten. Trotz hitziger Debatten stand der gegenseitige Respekt im Vordergrund, was als Erfolg für die Streitkultur gewertet wurde.
„Wir müssen wieder lernen, die Meinung des anderen auszuhalten, ohne sofort die moralische Vernichtung des Gegenübers anzustreben.“ – Tenor der Veranstaltung.
Warum das wichtig ist
In Zeiten, in denen Kulturveranstaltungen zunehmend unter Druck geraten oder aufgrund politischer Differenzen abgesagt werden, positioniert sich der PEN Berlin als Plattform für das „Prinzip Austausch“. Der Kongress zeigt, dass Differenzen nicht zwangsläufig zur Spaltung führen müssen, solange das Fundament der Meinungsfreiheit gewahrt bleibt.
Quelle: Siegessäule