Filmkritik & Porträt: „Dreißig Jahre an der Peitsche“ – Das Leben der Lady MacLaine
Mit dem Dokudrama „Dreißig Jahre an der Peitsche“ (Deutschland 2024) widmet sich der legendäre Regisseur Rosa von Praunheim dem außergewöhnlichen Leben der Berlinerin Tina, die in der Szene als Lady MacLaine bekannt ist. Der 95-minütige Film ist weit mehr als eine bloße Biografie; er ist ein tiefgründiges menschliches Porträt einer Frau, die fast ihr gesamtes Leben in der Prostitution und als Domina verbracht hat.
Eine einzigartige Mischung aus Dokumentation und Spielszene
Der Film besticht durch seine besondere Machart:
- Persönliche Erzählung: Die heute fast 65-jährige Tina erzählt ihre Geschichte an Originalschauplätzen und trifft Wegbegleiter.
- Fiktionale Elemente: Szenen aus ihrer Jugend und ihrem Alltag im Studio werden von Schauspielern (u. a. Katja Inga Baldowski) dargestellt.
- Interaktive Regie: Wie bereits in seinem Klassiker „Ich bin meine eigene Frau“, lässt von Praunheim die echte Tina in die Spielszenen eingreifen, um das Geschehen aktiv mitzugestalten.
Zwischen Emanzipation und Grenzerfahrung
„Dreißig Jahre an der Peitsche“ verzichtet bewusst auf künstliche Tragik. Erzählt wird der Weg einer emanzipierten Frau, deren Leben von Gegensätzen geprägt ist:
- Herausforderungen: Spielsucht und konfliktreiche Begegnungen.
- Werte: Eine tiefe Menschenliebe und die Reflexion über Kontrolle, Gewalt und Verantwortung im Beruf der Sexarbeiterin.
- Erkenntnisse: Tina gibt ehrliche Einblicke in ein Leben außerhalb der gesellschaftlichen Normen und spricht über eine Sexualität, die eigentlich nie ihrer eigenen entsprach.
Das Vermächtnis eines Pioniers
Der Film basiert auf den gleichnamigen Memoiren von Tina. Es ist eines der letzten Werke von Rosa von Praunheim, der im Dezember 2025 verstarb. Als Pionier des queeren Kinos blieb er sich auch hier treu und rückte mit gewohntem Respekt und Humor eine marginalisierte Lebensgeschichte ins Rampenlicht.
Tipp: Wer mehr über das Werk und das Leben des Regisseurs erfahren möchte, findet auf arte.tv zusätzlich den Dokumentarfilm „Glückskind – Der schwule Filmemacher Rosa von Praunheim“.
Quelle: ARD Mediathek