Leder, Lack und Lebensfreude: Warum Stuttgart die neue Hochburg für Sexpositiv-Partys ist

Stuttgart galt lange als bürgerlich und konservativ – doch unter der Oberfläche brodelt eine Szene, die mit alten Vorurteilen aufräumt. Jan Ehret, DJ und Kopf hinter der erfolgreichen Partyreihe „Kinky Galore“, erklärt im Gespräch, warum ausgerechnet die Schwabenmetropole zu einem echten Hotspot für sexpositive Events geworden ist.

Mehr als nur Sex: Ein Raum für Freiheit

Wer bei „Kinky Galore“ an schmuddelige Swingerclubs denkt, liegt falsch. Ehret beschreibt seine Partys als Safe Spaces, in denen es um weit mehr als den rein körperlichen Akt geht. „Vielleicht 20 Prozent der Leute haben hier tatsächlich Sex“, so der Veranstalter. Im Vordergrund stehen die Selbstentfaltung und das Gefühl, sich ohne Urteile ausprobieren zu können – ob in aufwendigen Dessous, Lack und Leder oder komplett oben ohne.

Warum gerade Stuttgart?

Dass die Szene in Stuttgart so boomt, hat laut Ehret einen einfachen Grund: Die Sehnsucht nach echter Verbindung und Authentizität ist in einer Stadt, die oft von Leistung und Konventionen geprägt ist, besonders groß. Während Berlin als Geburtsstätte solcher Partys gilt, schätzen die Stuttgarter die Exklusivität und die familiäre Atmosphäre der lokalen Events. Hier trifft Techno auf Konsens und Offenheit auf Diskretion.

Die goldenen Regeln: Konsens ist Key

Der Erfolg der Reihe basiert auf einem strengen Regelwerk:

  • Dresscode: Alltagskleidung bleibt draußen. Wer rein will, muss kreativ werden – von kinky bis glamourös.
  • Konsens: Ein „Nein“ ist Gesetz, ein „Ja“ muss klar kommuniziert werden.
  • Awareness: Ein spezielles Team sorgt dafür, dass sich alle Gäste sicher fühlen und Grenzen respektiert werden.

Fazit: Ein neues Wir-Gefühl

Jan Ehret sieht in der Entwicklung einen gesellschaftlichen Wandel. Die Menschen wollen sich nicht mehr in Schubladen stecken lassen. Stuttgart beweist, dass sexpositive Freiheit kein Nischenphänomen mehr ist, sondern ein Ausdruck modernen Lebensgefühls, das im Kessel einen perfekten Nährboden gefunden hat.

Quelle: Stuttgarter Zeitung