„Begegnung statt Verurteilung“: Papst-Berater James Martin über den Weg der Kirche mit LGBTQ+
In der katholischen Kirche bleibt das Thema LGBTQ+ ein Spannungsfeld zwischen Tradition und Reform. Einer der profiliertesten Fürsprecher für eine Öffnung ist der US-Jesuitenpater und Papst-Berater James Martin. In einem aktuellen Bericht von queer.de wird seine klare Haltung zur Seelsorge und zum Umgang mit queeren Gläubigen beleuchtet.
Pastoraler Vorrang vor dem Dogma
James Martins Botschaft ist so simpel wie revolutionär für den kirchlichen Kontext: „Begegnung kommt vor dem Urteil.“ Er betont, dass die Kirche queere Menschen zuerst als Individuen mit ihrer eigenen Geschichte wahrnehmen muss, anstatt sie sofort anhand moralischer Kategorien zu bewerten. Für Martin ist die pastorale Begleitung – also das Da-Sein für die Menschen – der Kern christlicher Nächstenliebe.
Der Wirbel um „Fiducia Supplicans“
Ein zentraler Punkt des Artikels ist die vatikanische Erklärung Fiducia Supplicans, die Ende 2023 die Segnung gleichgeschlechtlicher Paare unter bestimmten Bedingungen ermöglichte. Martin sieht darin einen historischen Fortschritt, räumt aber auch die damit verbundenen Schwierigkeiten ein:
- Fortschritt: Es ist das erste Mal, dass ein offizielles Dokument Segnungen für queere Paare ermöglicht.
- Herausforderung: Die weltweite Resonanz war gespalten. Während Reformkräfte den Schritt feierten, gab es aus konservativen Kreisen (insbesondere aus Afrika und Osteuropa) heftigen Widerstand.
Unterstützung von ganz oben
Trotz der massiven Kritik, die James Martin oft aus konservativen Lagern erfährt, kann er auf eine prominente Stütze zählen: Papst Franziskus. Der Papst hat Martin mehrfach in privaten Audienzen empfangen und seine Arbeit schriftlich gewürdigt. Diese Rückendeckung signalisiert, dass der Vatikan – zumindest unter der aktuellen Leitung – ein Interesse daran hat, die Distanz zur LGBTQ-Community zu verringern.
Fazit: Ein langer Weg
Der Artikel macht deutlich, dass James Martin keine sofortige Änderung der kirchlichen Lehre (etwa die Ehe für alle) erwartet. Sein Fokus liegt auf dem Kulturwandel. Es geht darum, Räume zu schaffen, in denen LGBTQ-Katholiken sich willkommen und nicht nur geduldet fühlen.
Für die Community bleibt die Situation ambivalent: Während Martin Hoffnung auf mehr Empathie macht, zeigen die Reaktionen auf die Segnungs-Erlaubnis, wie tief die Gräben innerhalb der Weltkirche noch immer sind.
Quelle: Queer