Leinen los für Lack & Leder: Das „Torture Ship“ rockt den Bodensee
Friedrichshafen – Wenn am Bodenseeufer plötzlich mehr Peitschen als Eistüten zu sehen sind und Latex statt Leinen getragen wird, dann ist es wieder soweit: Das legendäre „Torture Ship“ hat abgelegt. Auch in diesem Jahr hieß es für rund 450 Passagiere „Leinen los“ zur wohl heißesten Party auf dem Schwäbischen Meer.
Ausverkauftes Haus und Schaulaufen am Pier Schon vor dem Ablegen bot sich den zahlreichen Schaulustigen an der Hafenpromenade in Friedrichshafen ein spektakuläres Bild. Das „Schaulaufen“ der Gäste ist mittlerweile fast so kultig wie die Fahrt selbst. Von aufwendigen Pony-Play-Kostümen samt Kutsche über strenge Domina-Outfits bis hin zu viel nackter Haut war alles dabei. Die Tickets für das Event waren restlos ausverkauft – für 75 Euro pro Karte sicherten sich Fetisch-Fans den Zutritt zu dieser exklusiven Parallelwelt.
„Was an Bord passiert, bleibt an Bord“ Auf dem Schiff selbst herrscht eine klare Regel: Diskretion. Zwar betonen Veranstalter und Gäste, dass Sex nicht im Vordergrund steht, doch geht es auf den drei Decks durchaus zur Sache. Wer sein „Werkzeug“ vergessen hatte, konnte sich an Bord an Shopping-Ständen mit neuen Peitschen und Accessoires eindecken. Öffentliche Bestrafungen und Spanking-Sessions gehörten ebenso zum Programm wie ausgelassenes Feiern – alles unter dem Motto der gegenseitigen Toleranz. Einen offiziellen Darkroom gibt es zwar seit Jahren nicht mehr, aber der Sonnenuntergang ist auf diesem Dampfer definitiv nicht das einzige Highlight.
Fetisch kennt kein Alter Dass die Szene bunter und vielfältiger ist, als Außenstehende oft vermuten, beweist ein ganz besonderer Stammgast: Der älteste Passagier an Bord war stolze 94 Jahre alt. Laut Veranstalter Thomas Siegmund ist das Thema Fetisch weder an ein Alter noch an ein Bildungsniveau gebunden. Es ist ein Maskenball für Erwachsene, bei dem jeder sein kann, wer er will.
Fazit Friedrichshafen hat sich für eine Nacht wieder in einen BDSM-Hotspot verwandelt. Die „Weiße Flotte“ wurde zur schwarzen Partyzone, und die Community feierte sich und ihre Freiheit – friedlich, freizügig und völlig ausverkauft.
Quelle: Wochenblatt Friedrichshafen