Kink-Debatte beim CSD Bielefeld: Ausschluss oder notwendiger Schutz?

Der diesjährige CSD in Bielefeld sorgt bereits im Vorfeld für hitzige Diskussionen innerhalb der Community. Im Zentrum der Debatte: Ein spezielles „Konsenskonzept“, das der Veranstalter BIEqueer e.V. ausschließlich von Fetisch- und Kink-Gruppen fordert. Kritiker sprechen von Diskriminierung und einem Rückschritt für die Sichtbarkeit der Vielfalt.

Normalerweise ist der Christopher Street Day ein Fest der Akzeptanz, doch in Bielefeld herrscht aktuell dicke Luft. Die Organisatoren haben neue Teilnahmebedingungen aufgestellt, die insbesondere Fetisch-, Rollenspiel- und Kink-Gruppen ins Visier nehmen. Wer in diesem Bereich teilnehmen möchte, muss vorab ein schriftliches „Schutz- und Konsenskonzept“ einreichen.

Darum geht es im Kern

Der Verein BIEqueer e.V. begründet diesen Schritt damit, dass man einen sensiblen Umgang mit Praktiken und Bildern sicherstellen wolle, die an koloniale oder militärische Gewalt erinnern könnten. Man wolle sexualisierter Gewalt vorbeugen und sicherstellen, dass alle Interaktionen auf dem Event einvernehmlich ablaufen.

Das Problem dabei: Diese Regelung gilt nur für die Fetisch-Community. Andere Teilnehmende oder Gruppen müssen kein vergleichbares Konzept vorlegen.

Heftige Kritik aus der Szene

Die Reaktion ließ nicht lange auf sich warten. Gruppen wie Puppy OWL und Bielefeld Leather Social sehen sich durch diese selektive Forderung stigmatisiert. Unterstützung erhalten sie unter anderem von der Organisation „Die Linke queer“, die das Vorgehen als „peinlich und inakzeptabel“ bezeichnet.

Die Hauptargumente der Kritiker:

  • Stigmatisierung: Fetisch werde erneut auf reine Sexualität reduziert und pauschal mit Gewalt in Verbindung gebracht.
  • Ungleichbehandlung: Warum müssen nur Kink-Gruppen ihre Friedfertigkeit beweisen, während andere Gruppen davon befreit sind?
  • Geschichtsvergessenheit: Die Fetisch-Szene war historisch gesehen immer ein fester und wichtiger Bestandteil der Stonewall-Bewegung und des CSD.

Ein Ausschluss mit Folgen

Da die betroffenen Gruppen die Forderung als diskriminierend ablehnen, führt dies faktisch zum Ausschluss – eine Entwicklung, die viele in der Community spaltet. Während die einen die Bemühungen um „Safer Spaces“ begrüßen, fürchten andere, dass der CSD sein Gesicht verliert, wenn er beginnt, Teile der eigenen Bewegung aufgrund von Vorurteilen auszugrenzen.

Quelle: Schwulissimo