Es ist eine der verstörendsten Szenen der Filmgeschichte: In Pulp Fiction stolpern Butch und Marcellus Wallace in den Keller eines Pfandleihers und treffen dort auf den mysteriösen, in Latex gehüllten „Gimp“. Über 25 Jahre hielt sich das Schweigen um die Figur, doch Quentin Tarantino hat nun das Geheimnis um die Identität und das düstere Schicksal des Leder-Statisten gelüftet.
Ein tragisches Ende hinter den Kulissen
In einem Interview bestätigte der Kult-Regisseur, was viele Fans schon lange vermuteten, aber nie im Film sahen:
Die Besetzung: Unter der Maske steckte der Schauspieler Stephen Hibbert.
Die Hintergrundgeschichte: Der Gimp war kein freiwilliger Sado-Maso-Partner, sondern laut Tarantino ein entführtes Opfer – ein Anhalter, den die Ladenbesitzer Maynard und Zed Jahre zuvor gefangen genommen und „gebrochen“ hatten.
Das Schicksal: Während Butch im Film den Gimp nur mit einem Schlag außer Gefecht setzt, stellte Tarantino klar, dass die Figur den Tag nicht überlebt hat. Nach der Flucht von Butch und dem blutigen Showdown zwischen Marcellus und seinen Peinigern sei der Gimp schlichtweg im brennenden Laden umgekommen oder von Marcellus’ Männern „entsorgt“ worden.
Warum das wichtig ist
Diese Enthüllung gibt dem ohnehin schon bizarren Szenario eine noch dunklere Note. Tarantino betont damit einmal mehr seine Liebe zum Detail-Storytelling: Selbst für Figuren, die kaum Text haben und deren Gesicht man nie sieht, existiert in seinem Kopf eine komplette, tragische Biografie.
„Es war nie geplant, dass er da lebend rauskommt. In dieser Welt gibt es für jemanden wie ihn kein Happy End.“ – Quentin Tarantino
In Nürnberg rückt eine jahrhundertealte japanische Tradition immer mehr ins Rampenlicht: Shibari. Was für Außenstehende oft nur nach kunstvollen Knoten aussieht, ist für Praktizierende eine tiefgehende Erfahrung zwischen Vertrauen, Ästhetik und völliger Hingabe. Ein aktueller Einblick zeigt, warum diese Form der Fesselung gerade jetzt einen Nerv trifft.
Ästhetik trifft auf Emotion
Shibari ist weit mehr als eine bloße Technik aus dem BDSM-Bereich. Es wird oft als „Kinbaku“ (die Schönheit der engen Fesselung) bezeichnet. Dabei geht es nicht primär um Schmerz oder Macht, sondern um das Zusammenspiel von Linien, Mustern und der menschlichen Silhouette.
Für viele Teilnehmer in der Nürnberger Szene steht das Körpergefühl im Vordergrund. Die Seile erzeugen einen konstanten Druck, der – ähnlich wie bei einer Gewichtsdecke – eine beruhigende Wirkung auf das Nervensystem haben kann.
Warum wir uns fesseln lassen
Der Artikel beleuchtet die psychologische Komponente dieser Praxis. Warum entscheiden sich Menschen dazu, ihre Bewegungsfreiheit abzugeben?
Der „Rope High“-Zustand: Durch die intensive Konzentration und den körperlichen Reiz schüttet der Körper Endorphine aus. Man gelangt in einen meditativen Zustand, der oft als „Rope High“ bezeichnet wird.
Radikales Vertrauen: Jemanden zu erlauben, den eigenen Körper zu fixieren, erfordert ein Höchstmaß an Kommunikation und Sicherheit.
Achtsamkeit im Moment: In einer hektischen Welt zwingt das Seil dazu, ganz im Hier und Jetzt zu sein. Jede Drehung, jeder Knoten wird bewusst wahrgenommen.
Sicherheit an erster Stelle
Trotz der künstlerischen Freiheit ist Shibari ein Handwerk, das gelernt sein will. In den Nürnberger Workshops wird besonderer Wert auf Sicherheit („Risk Aware Consensual Kink“) gelegt. Es geht um Anatomie, das Wissen über Nervenbahnen und die ständige Kommunikation zwischen dem „Rigger“ (der fesselnden Person) und dem „Model“.
Das Wichtigste auf einen Blick:
Aspekt
Bedeutung beim Shibari
Fokus
Verbindung zwischen zwei Menschen & Selbsterfahrung
Wirkung
Stressabbau, Achtsamkeit und intensives Körpergefühl
Ursprung
Japanische Kampfkunst (Hojōjutsu), später Weiterentwicklung zur Kunstform
Fazit: Shibari ist eine Einladung, die eigenen Grenzen in einem sicheren Rahmen zu erkunden und die Sprache des Körpers neu zu lernen – ganz ohne Worte, aber mit viel Gefühl.
Berlin bleibt das Epizentrum für grenzenlose Selbstdarstellung und Fetisch-Kultur. In einer neuen, exklusiven Zusammenarbeit mit dem Portal Männer gewährt der Fotograf und Künstler Romeo (bekannt durch das Projekt Romeo’s Art) Einblicke in eine düstere, ästhetisch aufgeladene Welt.
Unter dem Titel „Berlin Fetish Dreams“ entfaltet sich eine Bilderserie, die weit über bloße Provokation hinausgeht. Die Fotostrecke ist eine Hommage an die BDSM-Szene der Hauptstadt und verbindet handwerkliche Präzision mit roher Emotionalität.
Das erwartet die Leser:
Cineastischer Look: Die Bilder wirken wie Standaufnahmen aus einem stylischen Underground-Film – düster, kontrastreich und fokussiert.
Ästhetik des Begehrens: Romeo setzt auf klassische Fetisch-Elemente wie Leder, Latex und Seile, lässt dabei aber stets Raum für die Persönlichkeit der Models.
Berliner Spirit: Die Kulissen atmen den rauen Charme der Berliner Nächte und fangen die Sehnsucht nach Freiheit und Grenzüberschreitung ein.
Für Liebhaber hochwertiger Erotik-Fotografie und Fans der schwarzen Szene ist diese Galerie ein absolutes Muss. Romeo beweist einmal mehr, dass Fetisch-Kunst im Jahr 2026 längst im Bereich der High-End-Fotografie angekommen ist.
Berlin-Schöneberg hat sich am vergangenen Wochenende wieder in das weltweite Epizentrum der Fetisch-Szene verwandelt. Die Folsom Europe, eines der größten Events dieser Art weltweit, lockte zehntausende Besucher in den traditionsreichen Regenbogenkiez rund um den Nollendorfplatz.
Das Wichtigste auf einen Blick:
Sichtbarkeit statt Versteckspiel: Was früher oft in dunklen Kellern stattfand, wurde bei strahlendem Sonnenschein auf die Straße getragen. Die Folsom Europe ist ein Statement für sexuelle Freiheit und die Vielfalt der queeren Community.
Historischer Kontext: Der Artikel betont die tiefe Verwurzelung der Szene im Viertel. Schöneberg ist seit den 1920er-Jahren ein sicherer Hafen für die LGBTQ+-Gemeinschaft – eine Tradition, die trotz Gentrifizierung und gesellschaftlichem Wandel lautstark verteidigt wird.
Mehr als nur Party: Hinter den spektakulären Outfits aus Leder, Latex und Gummi steht ein politischer Kern. Es geht um die Rückeroberung des öffentlichen Raums und den Kampf gegen Stigmatisierung.
Wirtschaftsfaktor & Gemeinschaft: Neben der kulturellen Bedeutung ist das Fest ein massiver Wirtschaftsfaktor für die lokalen Geschäfte, Bars und Cafés im Kiez.
„Es ist dieser Mix aus extremem Fetisch und nachbarschaftlicher Normalität, der die Folsom in Berlin so einzigartig macht.“
Zwischen Kiez-Kultur und Kommerz
Trotz der Feierlaune schwingt in der Community auch Reflexion mit: Wie viel Kommerz verträgt eine Subkultur? Dennoch zeigt das Event deutlich, dass Schöneberg sein Gesicht als Ort der Freiheit nicht verlieren möchte. Das Fest blieb friedlich und setzte ein buntes Zeichen gegen Ausgrenzung.
Wer an Japan denkt, hat oft Tempel, Neonlichter und Sushi im Kopf. Doch abseits der bekannten Touristenpfade bietet Tokyo tiefgreifende kulturelle Erfahrungen, die buchstäblich unter die Haut gehen. Ein besonderes Highlight für Reisende mit Interesse an Ästhetik und japanischer Tradition sind die Shibari-Workshops von Louis Kordexe.
Die Kunst der Seile: Mehr als nur Knoten
Shibari, die japanische Kunst des Fesselns, hat ihre Wurzeln im historischen Hojojutsu der Samurai, entwickelte sich jedoch über die Jahrhunderte zu einer hochgradig ästhetischen und emotionalen Ausdrucksform. Es geht nicht nur um die Technik des Knotens, sondern um Vertrauen, Kommunikation und die Verbindung zwischen zwei Menschen.
Ein Workshop im Herzen von Tokyo
In seinem Studio in Tokyo bietet der renommierte Künstler Louis Kordexe Workshops an, die sich sowohl an Anfänger als auch an Fortgeschrittene richten. Das Besondere daran: Kordexe schlägt eine Brücke zwischen westlichem Verständnis und japanischer Tradition. Seine Kurse finden in einer respektvollen, sicheren Atmosphäre statt und werden oft in Deutsch oder Englisch abgehalten – ideal für internationale Besucher.
Was die Teilnehmer erwartet:
Grundlagen & Technik: Einführung in die Handhabung von Jutestrick und Sicherheitsregeln.
Ästhetik & Philosophie: Verständnis für die Linienführung und die meditative Komponente des Shibari.
Individuelle Betreuung: Praxisnahe Übungen, die auf das jeweilige Erfahrungslevel abgestimmt sind.
Warum sich ein Besuch lohnt
Ein Workshop bei Louis Kordexe ist mehr als nur ein Kurs – es ist ein tiefes Eintauchen in eine japanische Subkultur. Für Reisende bietet es die Chance, Tokyo aus einer völlig neuen, intimen Perspektive kennenzulernen und eine Fertigkeit zu erlernen, die Achtsamkeit und Kunstfertigkeit vereint.
Wer seinen nächsten Japan-Trip plant und auf der Suche nach einer außergewöhnlichen Erfahrung ist, sollte sich diese Gelegenheit nicht entgehen lassen.
Wenn sich die sächsische Metropole zu Pfingsten in ein Meer aus Spitze, Lack und dunklem Samt verwandelt, dann ist wieder Wave-Gotik-Treffen. Vom 06. bis 09. Juni 2025 lud das 32. WGT zur „Schwarzen Versammlung“ ein. Was die Besucher erwartete, war das gewohnt eklektische Gesamtkunstwerk aus Konzerten, Vorträgen und jenem munteren, düsteren Treiben, das Leipzig für vier Tage in den emotionalen Ausnahmezustand versetzt.
Mit 141 Künstlern an über 60 Veranstaltungsorten war das Programm gewohnt ambitioniert. Wer hier den Überblick behalten wollte, griff traditionell zur Webseite – oder nutzte erstmals die neue offizielle WGT-App. Sie hat die Planung gerade unterwegs spürbar erleichtert und ist eine willkommene Modernisierung für das traditionsreiche Festival.
Der Auftakt: Zwischen Kerzenschein und Tanzrausch
Bereits am Donnerstag füllte sich das Agra-Gelände zusehends. Während die ersten Festivalbändchen an den zentralen Anlaufstellen der Stadt über die Handgelenke glitten, stieg die Vorvorfreude. Der Abend stand im Zeichen der Aufwärmübungen: Ob bei den „Electro Allstars“ in der geschichtsträchtigen Moritzbastei oder dem klassischen Warm-up im Darkflower – die Szene tanzte sich warm.
Wir entschieden uns für den dunkelromantischen Klassiker: die Blaue Stunde. Unter freiem Himmel und bei sanftem Kerzenschein begann unser persönliches WGT 2025 an einem Ort, dessen liebevolle Dekoration sofort verzauberte. Einziger Wermutstropfen: Die Beliebtheit des Ortes stieß an ihre physischen Grenzen; es wurde schnell ungemütlich eng. Dennoch blieb es ein gelungener, stimmungsvoller Auftakt.
Blaue Stunde
Freitag: Von Picknick-Korb bis Synthie-Pop-Legenden
Der Freitag ist untrennbar mit dem Viktorianischen Picknick im Clara-Zetkin-Park verbunden. Die Wiese am See glich auch dieses Jahr einem lebendigen Gemälde. Auffällig war jedoch die wachsende Zahl an Schaulustigen – die Dichte an Kameraobjektiven ist hier mittlerweile wohl so hoch wie nirgendwo sonst in Leipzig.
Viktorianisches Picknick
Am späten Nachmittag zog es uns zur Agra, wo wir auf eine unserer Neuentdeckungen stießen: SKYND. Das australische Industrial-Gothic-Duo hat sich auf die musikalische Aufarbeitung realer Kriminalfälle spezialisiert. In ihren düsteren, oft verstörenden Songs verweben sie True Crime mit elektronischen Beats und experimentellem Gesang, um die Abgründe der menschlichen Psyche zu beleuchten. Jeder Track widmet sich einem spezifischen Fall, wobei die Band eine klinisch-künstlerische Perspektive einnimmt. Besonders der Song „Columbine“ hinterließ bei uns einen bleibenden Eindruck – und ein hartnäckiges „ratatata“-Ohrwurm-Gefühl.
SKYND
Danach folgte der Headliner des Abends: Alphaville. Die 1980er-Jahre-Ikonen um Marian Gold bewiesen, warum sie Weltruhm erlangt haben. Mit ihrem unverwechselbaren Sound, der atmosphärische Synthesizer-Melodien mit Golds markantem, opernhaftem Gesang verbindet, schufen sie zeitlose Hymnen wie „Big in Japan“ und „Forever Young“. Es war unheimlich beeindruckend zu sehen, welche Show der inzwischen 71-jährige Marian Gold ablieferte. Das Publikum feierte jede Sekunde.
Alphaville
Den Abschluss bildete das Mitternachtskonzert der Schweden von Kite. Seit ihrer Gründung 2008 gilt das Duo Nicklas Stenemo und Christian Berg als eines der packendsten Projekte der modernen Synthie-Pop-Szene. Ihr Sound zeichnet sich durch eine cineastische Breite aus, die nostalgische 80er-Jahre-Synthesizer mit düsterer Melancholie verbindet. Dennoch: Nach der Energie von SKYND und Alphaville konnte uns das Konzert irgendwie nicht ganz abholen. Das Bühnenbild blieb sehr dunkel, und uns fehlte an diesem Punkt das gewisse Etwas. Ein kurzer Abstecher in die Halle 4.2 beendete unseren ersten Festivaltag.
Kite
Samstag: Bariton-Klänge und die „Obsession Bizarr“
Das Herzstück des Festivals bleibt das Agra-Gelände mit seinen Zeltplätzen, Einkaufshallen und Dancefloors. Doch das WGT ist mehr als nur die Agra. Der Samstag begann für uns im Volkspalast mit dem mazedonisch-deutschen Sänger Veljanov. Bekannt als Stimme von Deine Lakaien, erkundet er in seinem Soloprojekt ein Spektrum zwischen Alternative Rock, wehmütigem Pop und Chanson. Geprägt durch seinen tiefen Bariton und poetische Texte, schuf Veljanov eine atmosphärische Klangwelt von fast filmischer Eleganz. Trotz der akustischen Herausforderungen der Kuppelhalle war es ein intensives Erlebnis.
Veljanov
Zurück auf der Agra erwarteten uns S.I.T.D. (Shadows in the Dark). Das Ruhrpott-Projekt gehört seit den 90ern zu den prägenden Kräften der Electro-Industrial-Szene. Ihr Sound vereint düstere Melodien mit treibenden Beats und setzt sich oft mit apokalyptischen Themen auseinander. Club-Hymnen wie „Snuff Machinery“ festigten ihren Ruf, Tanzbarkeit mit emotionaler Tiefe zu verbinden. Ein gewohntes, aber immer wieder begeisterndes Highlight.
Dann wurde es Zeit für die Obsession Bizarr, die traditionelle Fetisch-Party im Volkspalast. Um zwischen den Orten zu pendeln, nutzten wir die Tram – das Auto lässt man während des WGT am besten stehen. Die Obsession kombiniert die Ästhetik der schwarzen Szene mit der Welt des BDSM. Entgegen alter Gerüchte ist der Einlass fair, sofern das Outfit den „Fetisch-Faktor“ respektiert. Besonders beeindruckt waren wir von den Playrooms, deren Ausstattung sich von Jahr zu Jahr verbessert und die keinen Vergleich mit spezialisierten BDSM-Events scheuen müssen.
Playrooms
Das Bühnenprogramm war hochkarätig:
Dragon Dollz: Eine kraftvolle Double Pole Dance Performance, die Eleganz mit artistischem Können vereinte.
Garden of Chains: Das Label von Michael Gärtner präsentierte avantgardistischen Schmuck und industrielle Körper-Accessoires in einer düsteren Fashion Show.
Heretic Dream: Eine intensive Self-Bondage-Performance.
Inga Salome: Die Berliner Performerin zeigte eine spektakuläre „Hair Suspension“. Bei dieser Tradition wird das Körpergewicht nur an den Haaren getragen – eine „Meditation im Schmerz“, die in sakral anmutenden Bildern die Grenzen des Machbaren auslotete.
Dragon Dollz (Finale): Den krönenden Abschluss bildete eine beeindruckende Feuershow.
Sonntag: Heidnische Idylle und orchestraler Pomp
Der Sonntag startete entspannt im Heidnischen Dorf am Torhaus Dölitz. Das „Heido“ ist mit seinen Mittelaltermärkten, Tavernen und Ritterkämpfen ein Rückzugsort für Familien und Szene-Gänger gleichermaßen. Besonders lobenswert: Die Ticketkasse war in diesem Jahr wesentlich besser organisiert, und der offizielle Durchgang über den Zeltplatz zur Agra sparte uns viel Zeit und Nerven.
Heidnisches Dorf
Musikalisch ging es mit Crimson Veil weiter. Das Quartett aus Brighton gilt als eine der eigenwilligsten Neuentdeckungen im Dark Progressive Rock. Mit Violine, Cello und der wandlungsfähigen Stimme von Mishkin Fitzgerald erschufen sie eine dichte, beinahe sakrale Atmosphäre, die zwischen zerbrechlich und brachial schwankte.
Crimson Veil
Direkt im Anschluss übernahmen Xandria die Agra-Bühne. Seit ihrer Gründung 1994 haben sie sich von einer Gothic-Metal-Band zu einem der profiliertesten Vertreter des Symphonic Metal entwickelt. Mit der neuen Sängerin Ambre Vourvahis präsentierten sie sich in einem modernen Gewand, das klassischen orchestralen Pomp mit progressiven Elementen verbindet. Ein absolut mitreißendes Konzert.
Xandria
Ein Genre-Wechsel führte uns ins Täubchenthal zu Rhys Fulber. Als kreativer Kopf hinter Front Line Assembly und Delerium ist er ein Architekt der elektronischen Musik. Sein Soloprojekt verbindet mechanische Härte mit sphärischer Melancholie – ein wahres Klangkunstwerk.
Das Highlight des Abends wartete jedoch im Felsenkeller: Icon of Coil. Die norwegische Formation um Andy LaPlegua (Combichrist) revolutionierte um die Jahrtausendwende den Futurepop. Mit einer Mischung aus treibenden Techno-Beats und hypnotischen Bassläufen bewiesen sie, dass Industrial-Energie und poppiges Songwriting kein Widerspruch sind. Der Felsenkeller kochte – für uns der absolute Höhepunkt des Tages.
Icon of Coil
Montag: Finale mit finnischen Vampiren und deutschen Legenden
Der Montag begann traditionell in der Moritzbastei bei den Klängen von Donner-Trummel, die seit 1993 als Pioniere der Spielmannskunst gelten. Danach verabredeten wir uns mit Freunden auf der Wiese vor der Torhaus-Bühne im Heidnischen Dorf, um Haggefugg zu sehen. Die Kölner Band verbindet Dudelsäcke mit modernem Metal zu ihrem „Prost-Mittelalter-Party-Rock“ – genau die richtige Stimmung für den letzten Festivaltag.
Donner-TrummelHaggefugg
Zum großen Finale kehrten wir in die Agra-Halle zurück. Den Anfang machten The 69 Eyes. Die „Helsinki Vampires“ kombiniert düsteren Gothic Rock mit der rotzigen Energie des Sleaze Rock. Mit dem tiefen Bariton von Jyrki 69 lieferten sie eine Show ab, die uns – obwohl wir sie schon oft gesehen haben – erneut komplett begeisterte.
The 69 Eyes
Und dann kam die Band, auf die wir uns am meisten gefreut hatten: Camouflage. Als Urgesteine des deutschen Synthie-Pop prägten sie seit den 80ern mit Hits wie „The Great Commandment“ und „Love is a Shield“ die Szene. Es war ein Hochgenuss, diese Legenden wieder live zu erleben. Melancholische Melodien trafen auf tanzbare Beats – ein würdevoller Abschluss.
Camouflage
Traditionell endete unser WGT 2025 in der Halle 4.2. Auch wenn die Füße nach fünf Tagen streikten, wurde noch einmal getanzt. Da uns die Musikauswahl in diesem Jahr am Ende nicht ganz zusagte, machten wir uns etwas früher auf den Heimweg, bevor das Licht anging.
Wir blicken zurück auf vier intensive Tage voller Entdeckungen und bekannter Gesichter. Die Vorfreude auf das 33. Wave-Gotik-Treffen (22. – 25. Mai 2026) ist bereits jetzt riesig.
In der neuesten Folge des c’t Fotografie-Podcasts „Click Boom Flash“ räumt die Fotografin Lisa Loepke mit gängigen Vorurteilen über ein oft missverstandenes Genre auf: die Fetisch-Fotografie. Entgegen der Erwartung, dass dieses Feld düster oder rein voyeuristisch sein muss, zeigt Loepke eine Welt, die von tiefem gegenseitigem Vertrauen und künstlerischem Anspruch geprägt ist.
Mehr als nur Lack und Leder
Für Lisa Loepke ist Fetisch-Fotografie eine Form der Selbstdarstellung, die weit über Klischees hinausgeht. Im Gespräch wird deutlich, dass das Genre nicht zwangsläufig „finster“ sein muss. Vielmehr geht es darum, eine ganz eigene Definition von Weiblichkeit und Stärke zu visualisieren.
Die wichtigsten Erkenntnisse aus dem Gespräch:
Vertrauen als Fundament: Ohne eine starke Basis zwischen Fotograf und Modell entstehen keine authentischen Bilder. Respektvoller Umgang ist die Grundvoraussetzung, um Grenzen zu wahren und gleichzeitig kreative Freiräume zu schaffen.
Individuelle Bildsprache: Fetisch-Bilder können hell, ästhetisch und kraftvoll sein. Loepke nutzt das Studio, um Facetten der Persönlichkeit einzufangen, die im Alltag oft verborgen bleiben.
Professionalität im Studio: Der Weg zur Fetisch-Fotografin erfordert nicht nur technisches Know-how, sondern auch eine hohe psychologische Empathie, um eine sichere Atmosphäre zu schaffen.
„Meine Definition von Weiblichkeit ist eine andere“, betont Loepke und macht damit klar, dass Ästhetik immer im Auge des Betrachters liegt und durch die Linse neu geformt werden kann.
Wer tiefer in die Welt der anspruchsvollen Fotografie eintauchen möchte, findet in der aktuellen Episode spannende Einblicke in die Studioarbeit und die Philosophie hinter den Bildern.
Am 7. September 2024 startete die deutsche Camgirl-Komödie ‚Broke. Alone. A Kinky Love Story‘ in den Kinos und ist mittlerweile auch bei Streamingdiensten wie Prime Video und Apple TV zu sehen. Die Regisseurin Anna Unterweger präsentiert mit diesem Film eine frische und humorvolle Auseinandersetzung mit Themen wie Emanzipation und toxischer Maskulinität.
Nora Islei überzeugt als Hauptdarstellerin mit einer beiläufigen Coolness und charismatischer Präsenz. Der Film mischt humorvolle Dialoge mit dialogfreien, erotisch-anmutenden Sequenzen und bietet eine zeitgemäße Inszenierung, die durch eine dynamische Kameraführung und einen trendigen Soundtrack ergänzt wird. Neben Islei sind auch namhafte deutsche Schauspieler wie Tim Wide und Guido Broscheit in kleineren Rollen zu sehen.
Es ist ein Spektakel, das seit fast drei Jahrzehnten die Blicke auf sich zieht: Wenn Ende Juni der Bass über das Wasser dröhnt und die Passagiere in glänzendem Latex, schwarzem Leder und extravaganten Outfits die Reling säumen, weiß man am Bodensee – das Torture Ship legt wieder ab.
Eine Tradition seit 28 Jahren
Was vor 28 Jahren als mutiges Experiment begann, hat sich längst zu einer festen Institution in der Fetisch-Szene entwickelt. Auch in diesem Jahr verwandelt sich ein Schiff der Schweizerischen Bodensee-Schifffahrt (SBS) wieder in eine schwimmende Partyzone für die BDSM- und Fetisch-Community. Am Samstag, den 28. Juni, heißt es in Romanshorn wieder: „Check-in für die wohl außergewöhnlichste Schifffahrt des Jahres“.
Party statt Klischee
Trotz des provokanten Namens geht es an Bord gesitteter zu, als Außenstehende vielleicht vermuten. Organisator Thomas Siegmund betont seit jeher das Konzept: Das Torture Ship ist eine reine Party-Veranstaltung. Sexuelle Handlungen sind an Bord strikt untersagt. Vielmehr geht es um die Inszenierung, die Ästhetik der Outfits und das gemeinsame Feiern in einem „Safe Space“, in dem sich die Teilnehmer ohne Vorurteile präsentieren können.
Das erwartet die Gäste
Rund 600 Gäste aus ganz Europa werden erwartet, um auf mehreren Decks zu elektronischen Sounds zu tanzen. Der Dresscode ist dabei obligatorisch – ohne entsprechendes Outfit bleibt der Zugang verwehrt. Für die Schaulustigen am Hafen von Romanshorn bietet das Boarding jedes Jahr ein buntes und schrilles Bild, bevor das Schiff zur mehrstündigen Fahrt auf den offenen See entschwindet.
Nach der Rückkehr ist die Nacht aber noch lange nicht vorbei: Die legendäre After-Ship-Party sorgt dafür, dass die Tanzfläche bis in die frühen Morgenstunden glüht.
Fazit
Das Torture Ship bleibt auch nach 28 Jahren ein faszinierendes Phänomen. Es verbindet Provokation mit Tradition und beweist, dass der Bodensee weit mehr zu bieten hat als klassische Ausflugsfahrten. Wer dabei sein will, sollte schnell sein – die Tickets für dieses schwimmende Spektakel sind erfahrungsgemäß heiß begehrt.
Der „Master of Body Horror“, David Cronenberg, meldet sich mit seinem bisher persönlichsten Werk zurück. In seinem neuen Film „The Shrouds“ verarbeitet der Kult-Regisseur den Tod seiner eigenen Frau – verpackt in eine düstere Sci-Fi-Erzählung, die unter die Haut geht.
Worum geht es?
Der Witwer Karsh (gespielt von einem brillanten Vincent Cassel) erfindet eine Technologie, die es Hinterbliebenen ermöglicht, ihren verstorbenen Liebsten beim Verwesungsprozess im Grab zuzusehen. Was nach makabrem Horror klingt, entpuppt sich als vielschichtiger Mix aus:
Trauerbewältigung: Eine radikale Auseinandersetzung mit Verlust.
Verschwörungsthriller: Karsh glaubt, dass sein High-Tech-Friedhof sabotiert wird.
Body Horror: Die gewohnten Cronenberg-Elemente sind da, wirken aber intimer und schmerzhafter.
Das Fazit der Kritik
Auch wenn der Film phasenweise sehr dialoglastig und kopflastig ausfällt, loben Kritiker die dichte Atmosphäre und die starke Performance von Vincent Cassel und Diane Kruger. Es ist kein klassischer Schocker, sondern ein intellektuelles Kammerspiel, das zeigt, dass Cronenberg auch mit 81 Jahren noch bereit ist, Tabus zu brechen – dieses Mal jedoch mit einer tiefen, emotionalen Erdung.
„Ein Film, der weh tut, weil er so ehrlich ist – eine Mischung aus Trauerarbeit und technologischem Albtraum.“